8 Wochen alte Frenchtons, Franzose x Boston, kernige, robuste Begleithunde.

Auch reinrassig gibt es den Franzosen in vielen Variationen

Frenchdogs

 

Eine weitere Idee die Franzosen gesünder zu züchten, ist die wohlüberlegte Einkreuzung fremder Rassen. Dies ist ein sehr aufwändiges und langwieriges Projekt, was nur wirklich sinnvoll ist, wenn sich mehrere Züchter beteiligen und man eine umfassende Basis grundsolider und nicht verwandter Elterntiere hat. Ganz langsam entwickeln sich hier verschiedene Linien und auch ich werde ab 2023 einen Versuch mit einer nicht brachyzephalen Rasse starten und wenn es passt mir eine Hündin behalten. In Zukunft werden wir gezielt nach Fremdrassen bzw. Franzosen, ich nenne sie fairerweise Frenchdogs, andere züchten nennen sie Retrobullys o.ä. suchen, die einen Anteil Fremdblut anderer Rassen in sich tragen, denn reinrassig ist die genetische Sackgasse erreicht und unser Level an Gesundheit kann nur schwer gehalten werden.

Ein ebenfalls sehr wichtiger Grund für Einkreuzung ist die Festigung des Charakters, daher sollten die zu verwendeten Rassen sehr gut überlegt sein.

Einige Frenchdogs-Jungtiere wachsen bei befreundeten Züchtern auf und ich bin auf deren Entwicklung sehr gespannt.

Der Verein Gesunde Bulldoggen e.V. genehmigt Einkreuzungsversuche, wenn die Rassen gemäß der Zuchtordnung untersucht und ausgewertet sind und eine vollständige Ahnentafel besitzen. Die Welpen werden als Crossbreed eingetragen und bekommen somit auch eine Ahnentafel mit allen durch den Verein geprüften Angaben.

 

Frenchton

 

Unsere Neugierde ist groß, was mit dem Bully passiert, wenn man ihn mit der Genetik einer anderen Rasse kombiniert, die ihm vom Phänotyp sehr ähnlich ist. Skeptiker lehnen dies mit der Begründung ab, dass eng verwandte Rassen ähnliche Probleme haben und die Gefahr gegeben ist, dass man sich neue Erbkrankheiten hineinholen kann. Der Gedanke ist auch sicher nicht verkehrt. Trotzdem sehen wir die Vorteile darin, die genetische Varianz zu erhöhen. Mit umfangreicher Diagnostik der Elterntiere und der Anwendung verfügbarer Gentests kann man die Aussichten auf gesündere Hunde optimieren. Der F- und G-Wurf wurde mit Franzose x Boston verpaart und alle Welpen sind frei von tastbaren genetischen Krankheiten und den HD-Träger und tragen lediglich eine Kopie des Chondrodystrophie-Gens. Die Welpen sind überaus intelligent und sportlich und wir sind mit diesen Kreuzungen sehr zufrieden.

 

Warum Boston?

Erste Begründung ist, wie schon beschrieben, die Aussicht auf einen recht bullyähnlichen, wenn nicht sogar beinahe identischen Phänotypen. Der Boston hat, wie der Bully, kurzes Fell und Stehohren, eine trockene Muskulatur und ein freundliches Wesen. Die größeren Typen befinden sich in der ähnlichen Größen- und Gewichtsklasse wie der Franzose. Natürlich wählen wir Bostonrüden, die deutlich im sportlichen Typ stehen, mit feinerem Kopf, ausgeprägtem Nasenrücken und gesundem Skelett und natürlich ausschließlich aus Linien mit Naturgeburten.

Der Boston, obwohl auch als chondrodystrophe Rasse gelistet, neigt deutlich weniger und vor allem später zu Verkalkungen der Bandscheiben, als der Franzose. Viele sind genetisch frei von der Chondrodystrophie, also erhalten wir bei der Verpaarung mit Bullypartner nur Trägertiere und haben hier in nächster Generation die Möglichkeit auf freie Tiere zurückzuzüchten.

Auch sind die Wirbelkörper oft noch harmonischer mit besseren Abständen ausgebildet. Der Boston hat eine deutlich höhere Lebenserwartung als der Bully, diese wird mit 13-15 Jahren angegeben. In Amerika haben diese Verbindungen eine große Beliebtheit und sind bei vielen Liebhabern als eigene Rasse „Frenchton“ anerkannt. 

 

Der letzte, auch nicht unerhebliche Grund ist die Farbgenetik ohne Dilution, die man bei den reinrassigen Bullys in der gesunden Liga kaum mehr finden kann. Ebenso wie gut durchpigmentierte Schecken. Uns ist es auch wichtig pigmentstarke Naturfarben zu erhalten, was derzeit bei der Flut an beinahe nur noch verdünnten Farben der Franzosen nahezu unmöglich ist.

 

Zum Schluß möchte ich in Bezug auf das sicher hier aufkommende Thema:

Frenchton? Frenchdog? Rasse oder Mix?

aus dem sehr zu empfehlenden Buch "Rassehund am Ende" von Christoph Jung zitieren:

 

Der alte Kynologe Ludwig Beckmann gibt 1893 folgende Definition von Hunderasse, die im Grunde banal ist, aber durch spätere Definitionen nicht übertroffen wird:

Der einzige bestimmte Charakter einer Rasse besteht darin, dass letztere regelmäßig Ihresgleichen hervorbringt. Selbst Kreuzungsprodukte müssen als "Rassen" und "rein gezüchtet angesprochen werden, sobald ihre Nachkommen die gewünschten Rassezeichen oder Charaktere zur Schau tragen."

 

In diesem Sinne sind wir neugierig und werden auch mal andere Wege wagen.

Der erste Wurf aus Kreuzungszucht wird bei mir der F-Wurf Ende August 2021 sein. 2022 wird ein weiterer Frenchtonwurf mit Charly folgen.

Für 2023 planen wir einen Crossbreed mit einer nicht brachyzephalen Rasse! 

 

Bei Interesse oder Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.